Autor

Detlef Roth

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Wer am Flughafen Berlin Brandenburg nach „Luxusflugzeugen“ sucht, muss zwei Welten unterscheiden: den planbaren Linienverkehr und die deutlich flexiblere Business Aviation. Am BER gibt es ein rund um die Uhr geöffnetes General Aviation Terminal für Privat- und Geschäftsflüge. Gleichzeitig kommen die meisten öffentlich nachvollziehbaren „Premium“-Muster im regulären Linienverkehr zum Einsatz, weil dort Flugpläne und eingesetzte Flugzeugfamilien besser dokumentiert sind.

Im täglichen Langstreckenverkehr gehört vor allem die Verbindung von United Airlines nach Newark/New York zu den am besten belegten Premium-Routen des BER. Nach Angaben des Flughafens steht Newark ganzjährig täglich im Flugplan, und auf der Strecke wird planmäßig eine Boeing 767 eingesetzt. Das ist kein Privatjet, aber ein klassisches Langstreckenflugzeug mit Business-Class-Angebot und deutlich höherem Komfortniveau als die üblichen europäischen Kurzstreckenjets.

Seit dem 31. März 2026 ist außerdem Delta Air Lines wieder auf der Strecke Berlin–New York/JFK vertreten. Laut BER wurde die Verbindung zunächst fünfmal pro Woche aufgenommen und soll ab Mai täglich bedient werden. Eingesetzt wird dabei eine Boeing 767-300. Auch dieses Muster gehört am BER zu den größeren und prestigeträchtigeren Flugzeugen, die Reisende regelmäßig sehen können.

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Wer auf dem Bodensee mit einer Yacht, einem Segelboot oder einem Ausflugsschiff unterwegs ist, denkt meist an Freizeit, Panorama und ruhiges Wasser. Tatsächlich ist der See aber auch ein sensibles Grenzgebiet zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Genau deshalb sind Kontrollen auf dem Wasser keine Seltenheit. Zu den maritimen Aufgaben des Zolls gehören am Bodensee ausdrücklich die Verhinderung von Schmuggel, die Überwachung des Warenverkehrs und die Erhebung von Abgaben.

Gerade deshalb sind die interessantesten „Funde“ auf fahrenden Booten am Bodensee oft keine romantischen Schätze, sondern Hinweise auf verborgene Vorgeschichten. Ein besonders anschaulicher Fall wurde 2024 im Hafen von Friedrichshafen bekannt: Zollbeamten fiel bei einem Segelboot auf, dass die Schweizer Kennung überlackiert worden war. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass das Boot bereits 2016 in der Schweiz gekauft und über den Bodensee in die Europäische Union gebracht worden war, ohne die erforderliche Einfuhrverzollung anzumelden. Der Besitzer musste schließlich Zoll und Einfuhrumsatzsteuer nachzahlen.

2025 wurde bei einer Hafenstreife in Langenargen ein weiterer ähnlicher Fall aufgedeckt. Auch dort nahmen Zöllner ein Segelboot genauer in Augenschein und stellten fest, dass es schon Jahre zuvor aus der Schweiz über den Bodensee nach Deutschland gelangt war, ohne beim Zoll angemeldet zu werden. Für Außenstehende wirkte das Boot völlig unauffällig – tatsächlich steckte dahinter jedoch ein älterer Schmuggelfall, der erst bei der Kontrolle sichtbar wurde.

Noch deutlicher wurde dieses Muster Ende 2025, als Beamte der Kontrolleinheit Zollboot bei Hafenkontrollen auf zwei Segelboote aufmerksam wurden, bei denen die Schweizer Bootskennungen entfernt worden waren. Auch hier ging es nicht um spektakuläre Piratenschätze, sondern um ein sehr reales Detail: Die veränderten Kennzeichen machten die Boote auffällig und führten zu Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Gerade solche scheinbar kleinen Spuren können auf dem Bodensee entscheidend sein.

Schon 2022 hatte der Zoll am Bodensee ein weiteres Segelschiff aus der Schweiz nachversteuert. Der damalige Eigentümer hatte das Boot privat gekauft und über den See heimgesegelt, ohne die Einfuhr anzumelden. Der Fall zeigt, dass die interessantesten Entdeckungen an Bord oft nicht spektakulär inszeniert sind: Es sind Dokumente, Kennungen, Herkunftsspuren und technische Details, die aus einem gewöhnlichen Boot plötzlich einen zollrechtlich brisanten Fund machen.

Sogar an Land kann die Geschichte eines Bootes weitergehen. 2025 fiel Zöllnern im Kreis Konstanz ein Segelboot auf, das auf einem Trailer in einem Vorgarten stand. Das Boot war noch in der Schweiz zugelassen und sollte offenbar wieder in Deutschland zu Wasser gelassen werden. Auch in diesem Fall stellte sich heraus, dass die Rückkehr des Wasserfahrzeugs hätte angemeldet werden müssen. Solche Fälle zeigen, wie eng Boot, Grenze und Kontrolle am Bodensee miteinander verbunden sind.

Ungewöhnliche Funde auf Booten am Bodensee haben meist wenig mit romantischen Schatzgeschichten zu tun. In der Praxis stoßen Kontrolleure eher auf übermalte Kennzeichen, fehlende Zollanmeldungen oder Spuren älterer Schmuggelfälle. Gerade diese unspektakulären Details sind auf dem See oft aufschlussreich, weil sie zeigen, welche Vorgeschichte sich hinter einem scheinbar gewöhnlichen Boot verbergen kann.

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Es war einer dieser Bodensee-Tage, an denen alles nach Urlaub aussieht: klares Licht, ein bisschen Wind, und im Hafen von Bregenz dieses leise, geschäftige Summen von Menschen, die einfach nur raus aufs Wasser wollen.

Thomas kaufte die Tickets, während seine Frau Anna am Steg stand und dem Ausflugsschiff nachsah, das gerade anlegte. „Genau so eines“, sagte sie und lächelte. „So ähnlich bin ich früher schon einmal gefahren.“

„Wann denn?“ fragte Thomas, als sie an Bord gingen, vorbei an den Sitzreihen und dem Duft nach Sonnencreme und frischem Kaffee aus dem Bordkiosk.

Anna zögerte kurz, als würde sie überlegen, ob die Geschichte zu banal ist. „Vor Jahren. Ich war damals mit Freundinnen unterwegs. Und… ich hab dort mein altes Handy verloren. Ein richtiges Ur-Teil. Tasten, kleines Display, kaum Kamera. Ich hab’s ewig gesucht – ohne Chance.“

Thomas lachte. „Und jetzt? Willst du es noch einmal finden?“

„Nein“, sagte Anna, „aber jedes Mal, wenn ich so ein Schiff sehe, denk ich dran.“

Sie setzten sich zunächst aufs Oberdeck. Der Motor brummte, die Wellen zeichneten silberne Linien, und Bregenz wurde langsam kleiner. Anna genoss den Blick – bis ihr Blick an einer Stelle hängen blieb, weiter hinten, nahe einer Ecke beim Übergang zum Innenraum. Dort war eine kleine, dunkle Öffnung im Bodenbereich zu sehen, eher wie ein Spalt, den man sonst ignoriert.

„Warte mal“, murmelte sie.

„Was ist?“ Thomas beugte sich vor.

Anna stand auf, ging ein paar Schritte und kniete sich hin. Sie schaute genauer hin, als hätte sie diese Ecke schon einmal gesehen – nur aus einer anderen Zeit. Dann streckte sie vorsichtig die Hand aus, tastete in die Öffnung hinein und zog sie wieder zurück.

„Da ist… etwas.“

Thomas trat näher. „Du machst Witze.“

Anna schob den Arm noch einmal hinein, diesmal tiefer, als würde sie genau wissen, wohin. Sekunden später zog sie die Hand heraus – und darin lag ein kleines, verkratztes altes Handy, staubig, aber unverkennbar. Ein Modell, das heute schon fast wie ein Museumsstück wirkt.

Anna starrte darauf, als müsste sie erst beweisen, dass es wirklich echt ist. Dann lachte sie einmal kurz auf – und gleichzeitig standen ihr Tränen in den Augen.

„Das ist meins“, sagte sie leise. „Schau… da ist noch der Aufkleber. Den hab ich damals draufgeklebt.“

Thomas schüttelte ungläubig den Kopf. „Das kann nicht sein. Wie lange ist das her?“

„Bestimmt zehn Jahre“, flüsterte Anna, als hätte sie selbst Angst, dass die Zahl alles kaputtmacht.

Sie wischte den Staub mit dem Ärmel ab, drehte das Telefon in der Hand, als würde sie ein längst verlorenes Stück ihres Lebens zurückbekommen. Natürlich ging es nicht mehr an. Aber das war plötzlich egal. Es war nicht Technik, die sie da gefunden hatte – sondern eine Erinnerung, die irgendwo zwischen den Brettern und den Jahren stecken geblieben war.

Als sie wieder zu ihrem Platz zurückging, hielt Anna das Handy fest umschlossen, als könnte es sonst wieder verschwinden.

„Weißt du“, sagte sie und schaute hinaus auf das Wasser, „ich dachte immer, solche Sachen sind einfach weg. Für immer.“

Thomas legte den Arm um sie. „Offenbar nicht am Bodensee.“

Und während das Ausflugsschiff ruhig weiter über den See glitt, fühlte sich dieser Tag für Anna nicht mehr wie ein normaler Touristen-Ausflug an. Eher wie ein kleiner Beweis, dass manche Geschichten – egal wie alt – manchmal doch noch ein überraschendes Ende finden.

Im Bodensee wurde die Yacht Lady Jay entdeckt, über deren genauer Verbleib lange Zeit keine gesicherten Informationen vorlagen. Im Sommer 2025 gelang es schließlich, das Boot auf dem Grund des Sees zu lokalisieren. Die Nachricht sorgte in der Region und darüber hinaus für großes Interesse, denn der Fund schließt ein Kapitel, das viele Jahre offen geblieben war.

Nach vorliegenden Berichten wurde die Yacht in einer Tiefe von rund 170 Metern gefunden. Möglich wurde dies durch moderne Suchtechnik, darunter Sonarsysteme und Unterwassertechnik, mit deren Hilfe die Position des Wracks präzise bestimmt werden konnte. An der Suche beteiligt war unter anderem der Verein Schiffsbergeverein Romanshorn, dessen Arbeit in diesem Zusammenhang besonders hervorgehoben wurde.

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Wenn wir an Korallenriffe denken, haben wir Bilder von tropischen Flachwassergebieten voller bunter Fische vor Augen. Doch in Tiefen von 200 bis 2.000 Metern, in völliger Dunkelheit und Kälte, existieren andere Korallenriffe – Kaltwasserriffe. Sie werden nicht von Acropora- und Porites-Arten gebildet, sondern von Korallen der Gattungen Lophelia und Madrepora sowie von Glasschwämmen (Hexactinellida). Diese Ökosysteme benötigen Jahrtausende, um sich zu entwickeln, und sind ebenso komplex wie tropische, aber dennoch nahezu unerforscht.

Kaltwasserkorallen leben ohne symbiotische Algen und ernähren sich, indem sie Plankton aus dem Wasser filtern. Sie wachsen unglaublich langsam – nur 1 bis 10 Millimeter pro Jahr. Große Strukturen, die vor den Küsten Norwegens und Irlands entdeckt wurden, werden auf ein Alter von 8.000 bis 10.000 Jahren geschätzt. Die Korallenart Lophelia pertusa bildet massive Gerüste von mehreren zehn Metern Höhe und Kilometern Länge und bietet Fischen, Krebsen, Garnelen und anderen Organismen Schutz.

Die Hauptverbreitungsgebiete von Kaltwasserkorallen sind der Nordatlantik (einschließlich der Gewässer um Großbritannien, Irland und Norwegen) sowie die Küstengebiete Neuseelands, Australiens, Brasiliens und der Antarktis. In britischen Gewässern sind die bekanntesten Riffe jene im Whitefjord Sound (Schottland) und auf den Hebriden. Sie liegen in Tiefen von 200 bis 1000 Metern und ziehen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern und Naturschützern gleichermaßen auf sich.

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Wer schon einmal mit einem U-Boot in die Tiefsee getaucht ist und die Außenbeleuchtung ausgeschaltet hat, hat ein Wunder erlebt: Tausende blaue, grüne und rote Lichter beginnen ringsum zu blinken. Dies ist Biolumineszenz – die Fähigkeit von Lebewesen, Licht zu erzeugen. In den Tiefen des Ozeans, wo kein Sonnenlicht hinkommt, wird Licht zur primären Kommunikationssprache: Es lockt Partner an, wehrt Fressfeinde ab und lockt Beute an. Und „Meeresschnee“ ist ein kontinuierlicher Regen organischer Partikel, der das gesamte Tiefsee-Ökosystem nährt.

Biolumineszenz entsteht durch eine chemische Reaktion zwischen Luciferin und dem Enzym Luciferase. Diese Moleküle variieren in verschiedenen Organismengruppen, was darauf hindeutet, dass sich die Fähigkeit zur Lichterzeugung mindestens 40 Mal unabhängig voneinander entwickelt hat. Im Ozean leuchten Bakterien, Protozoen, Quallen, Rippenquallen, Würmer, Weichtiere, Krebstiere und natürlich Fische. Man schätzt, dass bis zu 90 % der Tiefseeorganismen biolumineszent sind.

Tiefseefische besitzen Leuchtorgane, sogenannte Photophoren, die sich über ihren gesamten Körper verteilen können. Bei vielen Arten bilden diese Leuchtorgane charakteristische Muster, die die Identifizierung von Individuen derselben Art ermöglichen. Einige Fische, wie beispielsweise Beilfische, haben Photophoren auf dem Bauch und emittieren ein Lichtspektrum, das dem von oben einfallenden Sonnenlicht entspricht. Dadurch wird die Silhouette des Fisches für Raubfische, die ihn von unten beobachten, unsichtbar (Gegenleuchteffekt).

Das spektakulärste Schauspiel ist die Massenlumineszenz des Planktons. Nachts steigen unzählige leuchtende Krebstiere, Quallen und Rippenquallen zur Oberfläche auf und erzeugen ein fantastisches Naturschauspiel: Die Kielwasser eines Bootes leuchten blau, und die an der Küste brechenden Wellen funkeln wie ein Sternenhimmel. Dieses Phänomen wird als „Meeresphosphoreszenz“ bezeichnet und ist seit der Antike bekannt. In der Tiefe erzeugt das ständige Leuchten des Planktons den Effekt von „Leuchtregen“ – Meeresschnee.

Meeresschnee ist keine Metapher, sondern ein realer biologischer Prozess. Die oberen Schichten des Ozeans wimmeln von Leben, und alles, was stirbt, ausgeschieden oder nicht verdaut wird, sinkt zum Meeresgrund. Dazu gehören Ausscheidungen von Krebstieren, Planktonkadaver, Häutungsreste und Schleimklumpen, die organisches Material zusammenhalten. Meeresschnee fällt kontinuierlich, mit einer Rate von wenigen Metern bis zu Hunderten von Metern pro Tag. Nur etwa 1 % des organischen Materials erreicht größere Tiefen, aber das reicht aus, um Tiefseegemeinschaften zu ernähren.

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1977 machte die Besatzung des Tauchboots Alvin nahe der Galapagosinseln eine Entdeckung, die unser Verständnis des Lebens auf der Erde revolutionierte. In 2.500 Metern Tiefe, in einer sonnenlosen Zone mit enormem Druck und Wasser, das mit giftigem Schwefelwasserstoff und Metallen gesättigt ist, entdeckten sie dichte Gemeinschaften von Lebewesen. Es handelte sich um Hydrothermalquellen – sogenannte „Schwarze Raucher“ –, die von Magma auf 400 °C erhitztes Wasser ausstießen. Um sie herum wimmelte es von Leben: riesige Röhrenwürmer, Muscheln und Krebse, die der Wissenschaft bis dahin unbekannt waren.

Die entscheidende Entdeckung war, dass diese Ökosysteme nicht auf Sonnenlicht angewiesen sind. Die Nahrungskette basiert hier auf chemosynthetischen Bakterien, die Schwefelwasserstoff und andere chemische Verbindungen oxidieren und so Energie für die Synthese organischer Materie gewinnen. Die Bakterien bilden dichte Matten und leben zudem in Symbiose mit Tieren. Dies bewies, dass Leben völlig isoliert von der Oberfläche existieren kann und sich dabei auf geochemische Energie stützt – eine Entdeckung von enormer Bedeutung für die Suche nach Leben auf anderen Planeten.

Die beeindruckendsten Bewohner hydrothermaler Quellen sind die Vestimentiferen – riesige Röhrenwürmer (Riftia pachyptila), die eine Länge von 2–3 Metern erreichen. Sie besitzen weder Mund noch Darm: In ihrem Körper befindet sich ein Organ namens Trophosom, das mit chemosynthetischen Bakterien gefüllt ist. Die Würmer nehmen Schwefelwasserstoff und Sauerstoff über federartige Ausstülpungen (Flammenkiemen) auf, und die Bakterien versorgen sie mit organischer Substanz. Diese Würmer wachsen unglaublich schnell (bis zu 80 cm pro Jahr) und leben jahrzehntelang.

Riesenmuscheln (Calyptogena magnifica), die ebenfalls in Symbiose mit Bakterien leben, kommen neben den Röhrenwürmern vor. Ihre Kiemen enthalten Milliarden chemosynthetischer Bakterien, die die Weichtiere ernähren. Die Weichtiere erreichen eine Länge von 20–30 cm – eine enorme Größe für Tiefseearten. Sie bilden dichte Ansammlungen um die Hydrothermalquellen und erzeugen so „Felder“ aus weißen Schalen auf dem schwarzen Basalt.

Auch Krebse, Garnelen und andere Krustentiere haben hier ihren Platz gefunden. Boxerkrabben (Gattung Kiwa) besitzen behaarte Scheren, die mit fadenförmigen Bakterien bedeckt sind, welche ihnen vermutlich als Nahrung dienen. Tiefseegarnelen (Rimicaris exoculata) haben zu dünnen Platten reduzierte Augen, verfügen aber über Sinnesorgane am Kopf, mit denen sie Infrarotstrahlung von heißen Fontänen wahrnehmen können. Die Garnelen bilden Ansammlungen von Tausenden um die Hydrothermalquellen und bedecken diese mitunter mit einem lebenden Teppich.

Jede Hydrothermalquelle ist ein vorübergehendes Phänomen. Tektonische Aktivitäten können die Wasserzufuhr unterbrechen, woraufhin die Lebensgemeinschaft abstirbt. Das Leben verschwindet jedoch nicht vollständig: Larven treiben durch die Wassersäule und besiedeln neue Hydrothermalquellen, die sich entlang der mittelozeanischen Rücken bilden. Genetische Studien zeigen, dass Lebensgemeinschaften in verschiedenen Abschnitten des mittelozeanischen Rückens miteinander verbunden sein und so über den gesamten Planeten verstreute Metapopulationen bilden können.

Heute wurden hydrothermale Quellen in allen Ozeanen entdeckt. Die bekanntesten befinden sich am Ostpazifischen Rücken, im Atlantik (Mittelatlantischer Rücken), im Indischen Ozean und in arktischen Gewässern. 2015 wurde vor der Küste Mexikos im Golf von Kalifornien eine einzigartige Quelle entdeckt. Hier, in 3.800 Metern Tiefe, stoßen sogenannte „Raucher“ 290 °C heißes Wasser aus, umgeben von neuen Arten von Röhrenwürmern und Weichtieren.

Die Erforschung hydrothermaler Ökosysteme ist nicht nur für die Biologie von Bedeutung. Aus den heißen Lösungen ausgefällte Mineralien (Kupfer, Zink, Gold, Silber) haben das Interesse von Bergbauunternehmen geweckt. Dies hat Bedenken hinsichtlich des Tiefseebergbaus aufgeworfen, der einzigartige Lebensgemeinschaften zerstören könnte, bevor sie erforscht werden können. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) erarbeitet derzeit Vorschriften, doch Wissenschaftler fordern die Einrichtung von Schutzgebieten, in denen der Abbau von Bodenschätzen verboten wäre.

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In völliger Dunkelheit, wo es keine Pflanzen gibt und jede Begegnung mit Beute die letzte sein könnte, hat die Evolution die unglaublichsten Raubtiere hervorgebracht. Tiefseefische sind lebende Beispiele für das Prinzip „Form folgt Funktion“. Sie benötigen keine leuchtenden Farben, sondern besitzen Biolumineszenz, riesige Mäuler, die Beute verschlingen können, die größer ist als sie selbst, und Mägen, die sich auf unglaubliche Größe dehnen können. Manche von ihnen sind wahre Monster, aber es gibt auch winzige Lebewesen, deren Leben ein ständiges Versteckspiel mit dem Tod ist.

Der bekannteste Raubfisch der Tiefsee ist der Tiefseeanglerfisch (Ceratiidae). Die Weibchen dieser Fische haben einen markanten Auswuchs auf dem Kopf – die Esca (Köder) –, an deren Ende leuchtende Bakterien leben. Der Fisch benutzt seine „Angelrute“, um kleine Krebstiere und Fische anzulocken, und öffnet dann sein riesiges Maul. Der entstehende Druckunterschied saugt die Beute ein. Bei einigen Arten kann sich der Köder bewegen und so die Bewegungen eines Wurms imitieren. Männliche Anglerfische sind winzige Parasiten: Sie bohren sich in den Körper des Weibchens, verschmelzen mit ihrem Kreislaufsystem und verwandeln sich in ein Spermien produzierendes Anhängsel.

Der Schwertfisch (Alepisaurus ferox) ist einer der größten Tiefseeräuber und kann bis zu zwei Meter lang werden. Er besitzt riesige Augen, die ihm helfen, biolumineszente Signale wahrzunehmen, und lange, scharfe Zähne. Er lebt in der Mesopelagialzone (200–1000 Meter Tiefe) und wandert vertikal, um nachts zur Nahrungsaufnahme an die Oberfläche zu steigen. Schwertfische werden oft tot am Ufer gefunden, und ihr ungewöhnliches Aussehen hat zu vielen Legenden geführt.

Ein weiterer bizarrer Räuber ist der Forellenbarsch (Eurypharynx pelecanoides), auch Pelikanfisch genannt. Sein Hauptmerkmal ist sein gigantisches Maul, das sich so weit öffnen lässt, dass er Beute verschlingen kann, die größer ist als er selbst. Der Körper des Schwarzbarsches ist lang und schlank, und an seinem Schwanzende befindet sich ein Leuchtorgan, das vermutlich der Jagd dient. Der Schwarzbarsch lebt in Tiefen von 500 bis 3.000 Metern und ist in allen Ozeanen anzutreffen, wird aber in freier Wildbahn selten gesichtet.

Beilfische (Sternoptychidae) verdanken ihren Namen ihrer markanten, an eine Axtklinge erinnernden Körperform. Sie leben in der Mesopelagialzone und besitzen ein komplexes Biolumineszenzsystem: Ihr Körper ist mit Photophoren (Leuchtorganen) bedeckt, die so angeordnet sind, dass sie die Silhouette des Fisches auflösen und ihn für Raubtiere, die ihn von unten beobachten, unsichtbar machen. Einige Beilfischarten können die Helligkeit ihres Leuchtens anpassen und sich so vor dem Licht der Wasseroberfläche tarnen.

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Die Tiefsee beginnt dort, wo kein Sonnenlicht mehr in die Wassersäule eindringt. Dies ist die Schwelle von etwa 200 Metern Tiefe, jenseits derer die Dämmerzone (Mesopelagial) beginnt, gefolgt von der ewigen Dunkelheit der bathyalen, abyssalen und hadalen Zone, die bis in Tiefen von 11 Kilometern im Marianengraben reichen. Hier erreicht der Druck 1100 Atmosphären, die Temperaturen liegen nahe null Grad, und Nahrung findet sich ausschließlich in Form von „Meeresschnee“ – organischen Partikeln, die langsam von der Oberfläche absinken. Trotz dieser extremen Bedingungen existiert Leben nicht nur, sondern gedeiht in Formen, die uns fremdartig erscheinen.

Lange Zeit glaubte man, Leben sei unterhalb von 500–600 Metern unmöglich. Die ersten Tiefseeexpeditionen des 19. Jahrhunderts, wie die Weltumsegelung der Challenger (1872–1876), widerlegten diesen Irrtum. Wissenschaftler bargen Schleppnetze voller bisher unbekannter Lebewesen – Seelilien, Schlangensterne und seltsame Fische mit riesigen Augen. Diese Entdeckung begründete eine neue Wissenschaft – die Tiefseebiologie – und seither hat jeder Tauchgang mit einem Bathyscaph oder U-Boot neue Erkenntnisse gebracht. Schätzungen zufolge sind bisher weniger als 0,01 % des Tiefseebodens erforscht.

Eines der größten Probleme für Tiefseeorganismen ist der Druck. In 10.000 Metern Tiefe ist er tausendmal höher als der Atmosphärendruck. Doch das Leben hat eine Lösung gefunden: Die Zellen von Tiefseefischen und -wirbellosen sind mit Osmolyten gesättigt – Substanzen, die die Kompression von Proteinen verhindern – und ihre Skelette weisen oft keine großen Lufteinschlüsse auf. Viele Fische (wie beispielsweise Schneckenfische) besitzen einen gallertartigen Körper, der dem Druck problemlos standhält. Interessanterweise schwellen ihre Körper beim Aufstieg an die Oberfläche an und fallen aufgrund des plötzlichen Temperaturwechsels wieder zusammen.

Die Temperaturen in der Tiefsee liegen typischerweise bei 2–4 °C, doch es gibt auch Ausnahmen: Hydrothermale Quellen lassen bis zu 400 °C heißes Wasser austreten und schaffen so lokale Lebensräume. In den Tiefseeebenen, die von einer dünnen Schlickschicht bedeckt sind, herrscht konstant niedrige Temperatur, was den Stoffwechsel der Bewohner verlangsamt. Tiefseefische wachsen langsam, leben lange (manche Arten können 100–200 Jahre alt werden) und pflanzen sich selten fort, wodurch sie anfällig für Überfischung sind.

Die Nahrungskette der Tiefsee beginnt mit „Meeresschnee“ – einem kontinuierlichen Regen aus organischen Partikeln, Exkrementen, totem Plankton und Kadavern. In großen Tiefen ist dieser Schnee die einzige Energiequelle. Einige Organismen, wie beispielsweise Seegurken, haben sich so entwickelt, dass sie das Sediment filtern und daraus Nährstoffe gewinnen. Andere, wie der Anglerfisch, sind zu aktiven Jägern geworden und nutzen biolumineszente Köder, um Beute in der stockfinsteren Nacht anzulocken.

Zu den erstaunlichsten Tiefseefischen zählt der Viperfisch (Chauliodus) mit seinen enormen Fangzähnen und Leuchtorganen. Er kann Beutetiere verschlingen, die so groß sind wie er selbst, und seine Zähne sind so lang, dass sie nicht in sein geschlossenes Maul passen. Ein weiterer bekannter Bewohner ist der Schwertfisch (Alepisaurus), ein Raubtier mit torpedoförmigem Körper und tennisballgroßen Augen, die ihm helfen, selbst kleinste Bewegungen in der Dunkelheit wahrzunehmen.

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Mantarochen (Manta birostris und Manta alfredi) zählen zu den anmutigsten Geschöpfen des Ozeans. Ihre Flügelspannweite (Brustflossen) kann bis zu 7 Meter betragen, und sie können über 2 Tonnen wiegen. Trotz ihrer beeindruckenden Größe ernähren sie sich von Plankton, das sie mithilfe spezialisierter Kiemen filtern, und stellen keine Gefahr für den Menschen dar. Die Begegnung mit einem Mantarochen, der im Wasser schwebt und akrobatische Saltos vollführt, ist für viele Taucher ein unvergessliches Erlebnis.

Die besten Orte zur Beobachtung von Mantarochen befinden sich in tropischen und subtropischen Gewässern, wo Unterwasserströmungen Plankton mit sich führen. Das berühmte Naturschutzgebiet Hanifaru Bay liegt auf den Malediven, genauer gesagt im Baa-Atoll. Von Mai bis November versammeln sich hier Hunderte von Mantarochen, um in einem schmalen Kanal zu fressen, in dem die Strömungen das Plankton konzentrieren. Dieser Ort gilt als der beste der Welt, um das Fressverhalten von Mantarochen zu beobachten. Hier gelten strenge Regeln: Nur Schnorcheln, begrenzte Anzahl an Booten und kein Kontakt mit Flossen oder dem Meeresboden.

Auch Indonesien ist für seine Begegnungen mit Mantarochen bekannt. Im Gebiet von Nusa Penida auf Bali, insbesondere in der Nähe von Manta Point, kann man regelmäßig Riffmantarochen (Manta alfredi) an Putzerstationen beobachten – Bereiche im Riff, wo sie von Lippfischen und anderen Putzerfischen gereinigt werden. Taucher und Schnorchler können zum Meeresgrund abtauchen und beobachten, wie die Mantarochen langsam kreisen und ihre Bäuche zur Reinigung präsentieren. Auch in Raja Ampat im Osten Indonesiens leben Riesenmantarochen, und Begegnungen mit ihnen sind häufig.

Im ecuadorianischen Galapagos-Archipel, insbesondere um die Insel Isabela, sind Mantarochen ganzjährig anzutreffen. Hier erreichen sie besonders große Größen, und Taucher können sie sowohl nahe der Oberfläche als auch in der Tiefe beobachten. Die Gewässer der Galapagosinseln wimmeln von Leben, und bei Tauchgängen mit Mantarochen begegnet man oft Hammerhaien, Seelöwen und Schildkröten. Da die Inseln als Nationalpark ausgewiesen sind, ist das Tauchen hier streng reglementiert, um den Erhalt des Ökosystems zu gewährleisten.

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