Die Unterwasserwelt birgt viele Verlockungen: Ein farbenprächtiger Fisch mag harmlos erscheinen, und ein seltsamer Stein wirkt wie ein Stein. Doch Schönheit und Ungewöhnlichkeit verbergen oft starke Gifte, scharfe Stacheln und unerwartete Aggressivität. Die Kenntnis dieser Bewohner ist für die Sicherheit aller Taucher unerlässlich. Wir stellen die fünf gefährlichsten Fische und ihre weniger bekannten, aber nicht weniger furchterregenden Verwandten vor.
Die Königin der Giftfische ist der Steinfisch (Synanceia verrucosa). Ein Stich seiner Rückenflossenstacheln verursacht unerträgliche Schmerzen, Lähmungen, Gewebetod und kann ohne medizinische Behandlung zum Tod führen. Dieser Fisch tarnt sich meisterhaft als Felsbrocken und wird oft versehentlich zertreten. Der Steinfisch lebt in den flachen Gewässern des Indopazifiks, vom Roten Meer bis nach Australien. Es gibt ein Gegenmittel, das jedoch so schnell wie möglich verabreicht werden muss. Die wichtigste Regel: Gehen Sie niemals barfuß auf dem Riff und berühren Sie keine unbekannten Gegenstände.
Der Rotfeuerfisch (Pterois) ist in der Karibik zum Symbol für invasive Arten geworden, obwohl sein natürlicher Lebensraum der Indopazifik ist. Seine langen, fächerförmigen Rückenflossenstrahlen enthalten Gift, das starke Schmerzen, Schwellungen, Übelkeit und in seltenen Fällen Lähmungen verursacht. Ein Stich des Rotfeuerfisches ist für Menschen selten tödlich, aber extrem schmerzhaft. Rotfeuerfische sind nicht aggressiv und setzen ihre Stacheln nur zur Verteidigung ein. Dennoch kommt es zu versehentlichen Stichen, wenn unerfahrene Taucher versuchen, die „schönen Fische“ zu berühren. Interessanterweise werden Rotfeuerfische in Regionen, in denen sie zu einem Problem geworden sind, mittlerweile gefangen und in Restaurants serviert – nach dem richtigen Garen sind sie unbedenklich und schmackhaft.
Doktorfische können trotz ihres cartoonhaften Aussehens schwere Schnittverletzungen verursachen. An den Seiten ihres Schwanzes befinden sich knöcherne Stacheln, die so scharf wie ein Skalpell sind. Unter Stress strecken die Fische ihre Stacheln aus und können damit schwere Schnittverletzungen an der Hand verursachen. Große Doktorfische sind dafür bekannt, tiefe Wunden zuzufügen, die genäht werden müssen. Glücklicherweise sind sie nicht giftig, doch bakterielle Infektionen, die in die Wunde eindringen können, stellen eine Gefahr dar.
Muränen (Familie Muraenidae) sehen bedrohlich aus, und ihr Ruf ist größtenteils berechtigt. Obwohl sie nicht giftig sind, ist ihr Biss aufgrund ihrer scharfen Zähne und kräftigen Kiefer sehr gefährlich. Muränen besitzen zudem ein zweites Kieferpaar im Rachen (Schleimkiefer), mit dem sie Beute heranziehen. Am häufigsten beißen Muränen Taucher, die ihre Hände in Spalten stecken, um sie zu streicheln oder herauszulocken. Große Arten, wie die Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus), sind besonders aggressiv. In Ruhe greifen Muränen nicht von selbst an, doch wenn sie in ihrem Versteck gestört werden, reagieren sie blitzschnell.
