Die Unterwasserwelt ist eine endlose Galerie, in der die Natur als Künstlerin agiert und weder an Leuchtkraft noch an Fantasie spart. Während an Land die Evolution oft gedeckte Töne bevorzugt hat, explodieren die Farben im Ozean in unglaublicher Pracht. Hier leben Fische, die wie aus Science-Fiction-Romanen oder impressionistischen Gemälden entsprungen scheinen. Ihre Färbung ist nicht nur Dekoration, sondern eine Sprache, ein Werkzeug zum Überleben und das Ergebnis von Jahrmillionen der Verfeinerung. Lernen wir die strahlendsten Sterne der Unterwasserwelt kennen.
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Den Auftakt unserer Reihe macht die Mandarinente (Synchiropus splendidus), auch bekannt als „Mandarinente“. Dieser winzige Fisch, der in den Korallenriffen des Pazifischen Ozeans beheimatet ist, sieht aus wie handbemalt. Wellenförmige Linien in Blau, Orange, Grün und Gelb bedecken seinen Körper und bilden ein psychedelisches Muster. Der Mandarinfisch ist nur 6–7 Zentimeter lang, doch seine leuchtenden Farben warnen Fressfeinde: Er ist mit giftigem Schleim bedeckt und daher ungenießbar. Mandarinfische lassen sich nur in der Dämmerung beobachten, wenn sie zur Balz aus ihren Verstecken kommen.
Der Picasso-Drückerfisch (Rhinecanthus aculeatus), benannt nach dem Künstler aufgrund seiner abstrakten geometrischen Muster, steht ihm in Sachen Extravaganz in nichts nach. Sein Körper ist von schwarzen, weißen, gelben und blauen Streifen durchzogen, und ein leuchtend orangefarbener „Eyeliner“ umgibt sein Maul. Dieser Drückerfisch lebt in den Riffen des Indopazifiks, wo er tagaktiv ist und unermüdlich den Meeresboden nach Muscheln und Würmern absucht. Interessanterweise erzeugt er bei Gefahr ein knirschendes Geräusch und klammert sich mit seiner stacheligen Rückenflosse an Felsspalten.
Der Kaiserfisch (Pomacanthus imperator) ist ein wahres Juwel unter den Rifffischen. Junge Exemplare dieser Art haben ein unverwechselbares Aussehen: Ihr dunkelblauer Körper ist mit konzentrischen weißen und blauen Kreisen gezeichnet, die ihnen helfen, zwischen den Korallen unentdeckt zu bleiben. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Muster radikal: Leuchtend gelbe und blaue Streifen erscheinen, und der Kopf wird von einer schwarzen „Maske“ mit türkisfarbenen Linien geziert. Ein ausgewachsener Kaiserfisch kann bis zu 40 Zentimeter lang werden und zum dominanten Bewohner seines Riffhabitats werden.
Der Doktorfisch (Paracanthurus hepatus), vielen bekannt aus dem Zeichentrickfilm „Findet Nemo“, bedarf keiner Vorstellung. Sein elektrisch blauer Körper mit schwarzer „Palette“ und leuchtend gelber Schwanzflosse ist eines der bekanntesten Bilder des Ozeans. In freier Wildbahn leben diese Fische in großen Gruppen und weiden Algen ab. Bei Gefahr fahren sie scharfe Stacheln an der Schwanzwurzel aus, die schwere Verletzungen verursachen können. Ihre Färbung dient sowohl der Tarnung (das Blau verschmilzt mit der Tiefe) als auch der Kommunikation mit Artgenossen.
