Meister der Tarnung: Wie Fische unsichtbar werden

von Detlef Roth

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Nachtaktive Fische wie Krötenfische (Batrachoididae) graben sich tagsüber in den Meeresboden ein und lassen nur ihre Augen über die Wasseroberfläche ragen. Sie imitieren die Bodenstruktur so perfekt, dass selbst ihr Schleim mit Sand und Muschelfragmenten bedeckt wird und sie zu einem unkenntlichen Klumpen verschmelzen. Einige Krötenfischarten können laute Geräusche erzeugen, um Partner anzulocken, doch tagsüber sind sie völlig still und werden Teil ihrer Umgebung.

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Flockenfische (zum Beispiel der Fetzenfisch, Phycodurus eques) haben eine überraschende Strategie entwickelt. Ihr Körper ist mit bizarren, lederartigen Auswüchsen bedeckt, die nicht zum Schwimmen dienen, sondern ausschließlich der Tarnung. Die Fische treiben langsam zwischen den Algen, und selbst das geübteste Auge kann sie nicht sofort von einem Pflanzenteil unterscheiden. Diese Tiere kommen nur vor der Südküste Australiens vor und gelten als eines der Wahrzeichen der Region.

Im offenen Ozean gelten andere Regeln. Der Mondfisch (Mola mola) versucht nicht, sich zu verstecken, während seine pelagischen Nachbarn, wie der Sargassum-Anemonenfisch (Histrio histrio), sich zwischen treibenden Sargassum-Algen tarnen. Ihre Körper sind mit weißen Punkten bedeckt, die Luftblasen auf den Algen imitieren, und ihre Form ähnelt Blättern. Dieser Fisch verlässt sich so sehr auf seine Tarnung, dass er sich sogar fortpflanzt, ohne sein Versteck zu verlassen.

Die Fähigkeit, die Farbe blitzschnell zu wechseln, ist bei Tintenfischen und Kraken besonders ausgeprägt, aber auch Fische haben ihre Meister darin. So können beispielsweise Doktorfische der Gattung Acanthurus in Sekundenbruchteilen blass werden, wenn sie gestresst sind, und einige Lippfische können leuchtende Balzfarben „einschalten“ und sie dann sofort wieder „ausschalten“, um grau und unauffällig zu werden.

Tarnung dient nicht immer nur dem Schutz vor Fressfeinden. Viele Raubfische, wie Muränen, nutzen Tarnung, um sich an ihre Beute heranzuschleichen. Muränen verstecken sich oft in Spalten und lassen nur ihren Kopf blicken, dessen Färbung mit dem Korallenriff verschmilzt. Putzerschleimfische hingegen nutzen kontrastierende Farben, um ihren „Beruf“ zu signalisieren: Ihre blauen und gelben Streifen machen sie sichtbar, was für ihre Kunden von Vorteil ist, gleichzeitig können sie aber auch blitzschnell in der Deckung verschwinden.

Die Erforschung der Fischtarnung hilft uns nicht nur, evolutionäre Mechanismen zu verstehen, sondern inspiriert auch Ingenieure: Das Militär entwickelt Tarnmaterialien, die Farbe und Textur verändern können, und die Bionik untersucht die Struktur von Chromatophoren, um adaptive Beschichtungen zu entwickeln.

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