Glasschwämme sind ein weiterer Architekt der Tiefsee. Ihr Skelett besteht aus Siliziumdioxid und ist so transparent, dass der Schwamm glasartig erscheint. Einige Arten bilden komplexe, becher- oder turmartige Strukturen, die ebenfalls als Rückzugsgebiete für eine Vielzahl anderer Organismen dienen. Die bekanntesten Glasschwammgemeinschaften befinden sich vor der Küste von British Columbia, Kanada, wo sie riesige Riffe bilden, die Hunderte von Quadratkilometern bedecken.
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Tiefseekorallenriffe sind Oasen der Artenvielfalt. Sie dienen als Laichgebiete und Rückzugsräume für kommerziell genutzte Fischarten wie Kabeljau, Zackenbarsch und Schellfisch. Die Korallen selbst beherbergen spezialisierte Arten – Würmer, Krebstiere und Weichtiere –, die nirgendwo sonst vorkommen. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 1.000 Wirbellosenarten auf einem einzigen Quadratmeter Korallenriff leben können.
Die Bedrohungen für Tiefseeriffe sind gravierend und vielfältig. Die größte Gefahr stellt die Tiefseeschleppnetzfischerei dar. Schwere Schleppnetze, die über den Meeresboden gezogen werden, reißen buchstäblich Korallenstrukturen ab, die sich über Jahrtausende gebildet haben. Schätzungen zufolge sind bereits bis zu 40 % der bekannten Kaltwasserriffe im Atlantik beschädigt oder zerstört. Als Reaktion darauf haben die Europäische Union und das Vereinigte Königreich die Tiefseeschleppnetzfischerei in einigen Gebieten verboten, doch die Durchsetzung des Verbots bleibt eine Herausforderung.
Eine weitere Bedrohung ist der Tiefseebergbau. Tiefseekorallen wachsen auf denselben Seebergen und Rücken, die reich an Manganknollen, Kobalt und anderen Mineralien sind. Sollte der industrielle Abbau beginnen, könnten diese einzigartigen Ökosysteme zerstört werden, bevor sie erforscht werden können. Wissenschaftler fordern daher die Einrichtung eines internationalen Netzes von Tiefseeschutzgebieten, in denen jeglicher Abbau und jegliche Fischerei verboten wären.
