Tiefseekorallen und -schwämme: Uralte Wälder auf dem Meeresgrund

von Detlef Roth

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Wenn wir an Korallenriffe denken, haben wir Bilder von tropischen Flachwassergebieten voller bunter Fische vor Augen. Doch in Tiefen von 200 bis 2.000 Metern, in völliger Dunkelheit und Kälte, existieren andere Korallenriffe – Kaltwasserriffe. Sie werden nicht von Acropora- und Porites-Arten gebildet, sondern von Korallen der Gattungen Lophelia und Madrepora sowie von Glasschwämmen (Hexactinellida). Diese Ökosysteme benötigen Jahrtausende, um sich zu entwickeln, und sind ebenso komplex wie tropische, aber dennoch nahezu unerforscht.

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Kaltwasserkorallen leben ohne symbiotische Algen und ernähren sich, indem sie Plankton aus dem Wasser filtern. Sie wachsen unglaublich langsam – nur 1 bis 10 Millimeter pro Jahr. Große Strukturen, die vor den Küsten Norwegens und Irlands entdeckt wurden, werden auf ein Alter von 8.000 bis 10.000 Jahren geschätzt. Die Korallenart Lophelia pertusa bildet massive Gerüste von mehreren zehn Metern Höhe und Kilometern Länge und bietet Fischen, Krebsen, Garnelen und anderen Organismen Schutz.

Die Hauptverbreitungsgebiete von Kaltwasserkorallen sind der Nordatlantik (einschließlich der Gewässer um Großbritannien, Irland und Norwegen) sowie die Küstengebiete Neuseelands, Australiens, Brasiliens und der Antarktis. In britischen Gewässern sind die bekanntesten Riffe jene im Whitefjord Sound (Schottland) und auf den Hebriden. Sie liegen in Tiefen von 200 bis 1000 Metern und ziehen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern und Naturschützern gleichermaßen auf sich.

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