Tiefseeanglerfische und andere Raubtiere der Dunkelheit: Wie Tiefseefische überleben

von Detlef Roth

Werbung

In völliger Dunkelheit, wo es keine Pflanzen gibt und jede Begegnung mit Beute die letzte sein könnte, hat die Evolution die unglaublichsten Raubtiere hervorgebracht. Tiefseefische sind lebende Beispiele für das Prinzip „Form folgt Funktion“. Sie benötigen keine leuchtenden Farben, sondern besitzen Biolumineszenz, riesige Mäuler, die Beute verschlingen können, die größer ist als sie selbst, und Mägen, die sich auf unglaubliche Größe dehnen können. Manche von ihnen sind wahre Monster, aber es gibt auch winzige Lebewesen, deren Leben ein ständiges Versteckspiel mit dem Tod ist.

Werbung

Der bekannteste Raubfisch der Tiefsee ist der Tiefseeanglerfisch (Ceratiidae). Die Weibchen dieser Fische haben einen markanten Auswuchs auf dem Kopf – die Esca (Köder) –, an deren Ende leuchtende Bakterien leben. Der Fisch benutzt seine „Angelrute“, um kleine Krebstiere und Fische anzulocken, und öffnet dann sein riesiges Maul. Der entstehende Druckunterschied saugt die Beute ein. Bei einigen Arten kann sich der Köder bewegen und so die Bewegungen eines Wurms imitieren. Männliche Anglerfische sind winzige Parasiten: Sie bohren sich in den Körper des Weibchens, verschmelzen mit ihrem Kreislaufsystem und verwandeln sich in ein Spermien produzierendes Anhängsel.

Der Schwertfisch (Alepisaurus ferox) ist einer der größten Tiefseeräuber und kann bis zu zwei Meter lang werden. Er besitzt riesige Augen, die ihm helfen, biolumineszente Signale wahrzunehmen, und lange, scharfe Zähne. Er lebt in der Mesopelagialzone (200–1000 Meter Tiefe) und wandert vertikal, um nachts zur Nahrungsaufnahme an die Oberfläche zu steigen. Schwertfische werden oft tot am Ufer gefunden, und ihr ungewöhnliches Aussehen hat zu vielen Legenden geführt.

Ein weiterer bizarrer Räuber ist der Forellenbarsch (Eurypharynx pelecanoides), auch Pelikanfisch genannt. Sein Hauptmerkmal ist sein gigantisches Maul, das sich so weit öffnen lässt, dass er Beute verschlingen kann, die größer ist als er selbst. Der Körper des Schwarzbarsches ist lang und schlank, und an seinem Schwanzende befindet sich ein Leuchtorgan, das vermutlich der Jagd dient. Der Schwarzbarsch lebt in Tiefen von 500 bis 3.000 Metern und ist in allen Ozeanen anzutreffen, wird aber in freier Wildbahn selten gesichtet.

Beilfische (Sternoptychidae) verdanken ihren Namen ihrer markanten, an eine Axtklinge erinnernden Körperform. Sie leben in der Mesopelagialzone und besitzen ein komplexes Biolumineszenzsystem: Ihr Körper ist mit Photophoren (Leuchtorganen) bedeckt, die so angeordnet sind, dass sie die Silhouette des Fisches auflösen und ihn für Raubtiere, die ihn von unten beobachten, unsichtbar machen. Einige Beilfischarten können die Helligkeit ihres Leuchtens anpassen und sich so vor dem Licht der Wasseroberfläche tarnen.

You may also like