Ein Kaleidoskop der Formen: Die Vielfalt der Korallen und ihr bizarres Leben

von Detlef Roth

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Wenn wir an ein Korallenriff denken, haben wir verzweigte „Geweihkorallen“ und runde „Hirnkappen“ vor Augen. Doch in Wirklichkeit ist die Welt der Korallen nicht weniger faszinierend als die der tropischen Schmetterlinge. Jede Art hat ihre eigene Überlebensstrategie entwickelt: Manche wachsen schneller als andere, um mehr Platz zu gewinnen, andere reichern Giftstoffe an, um sich vor Fischen zu schützen, und wieder andere bilden komplexe Belüftungssysteme, um Schwebstoffe aus dem Wasser zu filtern. Das Verständnis dieser Vielfalt offenbart den erstaunlichen Einfallsreichtum der Natur.

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Acropora ist die artenreichste Gruppe der Steinkorallen mit über 150 Arten. Aufgrund ihrer charakteristischen verzweigten Form werden sie „Geweihkorallen“ genannt. Acropora sind die wichtigsten Riffbildner im Indopazifik; sie wachsen am schnellsten (bis zu 10–20 cm pro Jahr) und besiedeln als erste neue Gebiete. Ihr schnelles Wachstum macht sie jedoch anfällig: Äste brechen bei Stürmen leicht ab, doch die Bruchstücke können Wurzeln schlagen und neue Kolonien bilden. Acropora vermehren sich durch Massenlaichen, indem sie in einer einzigen Nacht nach Vollmond Millionen von Eiern und Spermien ins Wasser abgeben.

Hirnkorallen (Gattungen Diploria, Colpophyllia u. a.) verdanken ihren Namen ihrem charakteristischen, geschwungenen Muster, das an die Furchen des menschlichen Gehirns erinnert. Ihre massiven, halbkugelförmigen Kolonien können mehrere Meter Durchmesser erreichen und Hunderte von Jahren leben. Diese Form ist widerstandsfähig gegen Wellenbewegungen, und die komplexe Oberfläche bietet zahlreiche Mikronischen für kleine Wirbellose. Im Gegensatz zu Acropora wachsen Hirnkorallen sehr langsam (nur wenige Millimeter pro Jahr), doch ihr dichtes Skelett bildet die Grundlage eines stabilen Riffgerüsts.

Pilzkorallen (Fungiidae) führen eine völlig andere Lebensweise. Sie heften sich nicht an den Untergrund, sondern liegen frei auf dem Meeresboden und ähneln einzelnen Pilzen oder Untertassen. Manche Arten können sich langsam fortbewegen, indem sie Wasser in ihr Gewebe pumpen und ihre Form verändern. Diese Beweglichkeit ermöglicht es ihnen, die besten Lichtverhältnisse zu finden oder nicht unter Sedimenten begraben zu werden. Pilzkorallen sind besonders im Indopazifik verbreitet, wo ihre leuchtend grünen, braunen und violetten „Kappen“ sandige Bereiche zwischen den Riffen schmücken.

Unter den Weichkorallen stechen Gorgonien hervor – Fächer- und Federkorallen, die anmutige, bis zu zwei Meter hohe „Bäume“ bilden. Sie richten ihre Äste senkrecht zur Strömung aus, um Plankton besonders effektiv zu filtern. Gorgonien besitzen kein massives Skelett; ihre Stütze besteht aus einer hornartigen Substanz, die sie flexibel und wellenbeständig macht. Die Färbung dieser Korallen ist auffällig: Rote, gelbe und violette Töne setzen malerische vertikale Akzente im Riff.

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