Architekten des Ozeans: Wie Korallenriffe funktionieren

von Detlef Roth

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Korallenriffe werden oft als die tropischen Wälder der Meere bezeichnet, und dieser Vergleich ist kein Zufall. Sie bedecken weniger als 0,1 % der Weltmeere, beherbergen aber ein Viertel aller bekannten Meeresarten. Nur wenige wissen jedoch, dass die Riffe selbst keine Steine ​​oder Pflanzen sind, sondern Lebewesen, die ihre Kalksteinstädte über Jahrtausende hinweg errichten. Jedes Riff beginnt mit einem winzigen Polypen – einem nur wenige Millimeter langen Tier, verwandt mit Seeanemonen. Der Polyp scheidet einen Kelch aus Kalziumkarbonat um sich herum ab, und während die Kolonie wächst, verschmelzen diese Kelche zu einer festen Struktur.

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Das Geheimnis der unglaublichen Produktivität der Riffe liegt in der Symbiose. Mikroskopisch kleine Algen, sogenannte Zooxanthellen, leben im Gewebe der Korallenpolypen. Sie nutzen Sonnenlicht für die Photosynthese und liefern ihrem Wirt bis zu 90 % der von ihm produzierten organischen Substanz. Im Gegenzug erhalten die Algen Kohlendioxid und einen sicheren Lebensraum. Dank dieser Symbiose können Korallen ihre Skelette in unglaublicher Geschwindigkeit aufbauen und so selbst in nährstoffarmen tropischen Gewässern Riffe bilden. Deshalb findet man gesunde Riffe stets in klaren, gut beleuchteten Gewässern.

Es gibt drei Haupttypen von Korallenriffen, die erstmals von Charles Darwin beschrieben wurden. Saumriffe wachsen direkt vom Ufer aus und bilden eine Unterwasserterrasse. Barriereriffe sind durch eine Lagune – einen tiefen Kanal, der viele Kilometer breit sein kann – vom Land getrennt. Das bekannteste Beispiel ist das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens. Der dritte Typ sind Atolle: ringförmige Riffe, die eine zentrale Lagune umschließen. Sie entstehen auf den Gipfeln von Unterwasservulkanen, die allmählich unter Wasser absinken, während die Korallen weiter nach oben wachsen.

Riffe wachsen im Vergleich zu menschlichen Maßstäben unglaublich langsam. Große Kolonien von Steinkorallen wachsen zwischen 0,5 und 2 Zentimetern pro Jahr, während ein ganzes Riff jährlich nur wenige Millimeter wachsen kann. Moderne Riffsysteme sind Tausende von Jahren alt: Das Great Barrier Reef begann sich vor etwa 20.000 Jahren zu bilden, und seine heutige Struktur entwickelte sich vor etwa 6.000 bis 8.000 Jahren, als sich der Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit stabilisierte.

Weltweit gibt es über 800 Arten von Steinkorallen, jede mit ihrer eigenen, einzigartigen Form. Massive Korallen, die riesigen Felsbrocken ähneln, leben Hunderte von Jahren und trotzen starken Wellen. Verzweigte Korallen wie Acropora wachsen am schnellsten und bilden dichte Dickichte, die Tausenden von kleinen Fischen Schutz bieten. Tischkorallen mit flachen Oberseiten bilden horizontale Plattformen, unter denen sich größere Fische verstecken. Plattenkorallen wachsen in dünnen, vertikalen Blütenblättern, die sich zum Licht hin ausrichten.

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