Ein Korallenriff ist mehr als nur eine Ansammlung von Korallen. Es ist eine komplexe Lebensgemeinschaft, in der jeder Organismus eine Rolle spielt und die Beziehungen mitunter so komplex sind, dass Wissenschaftler immer noch neue entdecken. Von mikroskopisch kleinen Bakterien bis hin zu zwei Meter langen Haien – alle sind voneinander abhängig und bilden ein System von erstaunlicher Produktivität und Widerstandsfähigkeit. Werfen wir einen genaueren Blick auf die Bewohner dieser Unterwasserstädte.
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Papageifische (Scaridae) gehören zu den farbenprächtigsten und wichtigsten Bewohnern des Riffs. Sie besitzen kräftige Zähne, die zu einer schnabelartigen Struktur verwachsen sind und mit denen sie Algen von der Korallenoberfläche abkratzen. Dabei zermahlen sie unweigerlich Partikel des Kalkskeletts, die anschließend als Sand ausgeschieden werden. Ein einzelner großer Papageifisch kann bis zu 100 kg Sand pro Jahr produzieren. Ohne diese Fische würden die Algen die Korallen schnell ersticken, was Papageifische zu den wahren Gärtnern des Riffs macht.
Eine weitere wichtige Gruppe von Pflanzenfressern sind die Doktorfische (Acanthuridae). Ihren Namen verdanken sie den scharfen Stacheln an der Schwanzwurzel, die tiefe Schnitte verursachen können. Im Gegensatz zu Papageifischen ernähren sich Doktorfische hauptsächlich von Fadenalgen, die sie mit kurzen, kammartigen Zähnen abschneiden. Viele Arten leben in großen Schwärmen, die täglich von ihren Ruheplätzen zu ihren Nahrungsgründen wandern. Ihre Anwesenheit ist für die Gesundheit des Riffs unerlässlich.
Die symbiotischen Beziehungen im Riff sind bemerkenswert komplex. Clownfische leben zwischen den nesselnden Tentakeln von Seeanemonen und sind durch einen speziellen Schleim vor deren Gift geschützt. Grundeln teilen sich eine Höhle mit Schuppengarnelen: Die Garnele gräbt, und die Grundel bewacht den Eingang und warnt vor herannahenden Fressfeinden. Putzerfische (Labroides dimidiatus) schaffen „Schönheitssalons“, in denen größere Fische verweilen, damit kleinere Lippfische Parasiten und abgestorbene Hautschuppen entfernen können. Diese für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft ist so wichtig, dass ihr Fehlen zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der gesamten Fischpopulation führen kann.
Ein Korallenriff ist ohne Wirbellose undenkbar. Seesterne, wie beispielsweise der Dornenkronenseestern (Acanthaster planci), regulieren normalerweise die Korallenpopulation, doch bei Massenvermehrungen werden sie zur Plage und zerstören weite Gebiete. Die Schalen von Riesenmuscheln (Tridacna) können bis zu einem Meter lang und 200 kg schwer werden. Wie Korallen leben sie in Symbiose mit Algen und sind wichtige Filtrierer.
