Selten und wenig erforscht: die Geheimnisse der Tiefseewale

von Detlef Roth

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Der Zwergglattwal (Caperea marginata) gibt uns noch Rätsel auf. Sie sind die kleinsten Bartenwale (bis zu 6,5 Meter lang) und leben in den gemäßigten und kalten Gewässern der Südhalbkugel. Bis vor Kurzem waren sie nur von 15 gestrandeten Exemplaren bekannt. Ihre taxonomische Stellung war lange unklar: Genetische Studien haben gezeigt, dass sie eine eigene Abstammungslinie bilden, die sich vor etwa 20 Millionen Jahren von anderen Bartenwalen abspaltete.

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Auch der Südliche Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis) und viele andere Zwergwalarten sind noch wenig erforscht. Ihre Wanderrouten im Indischen und Südlichen Ozean sind nur bruchstückhaft untersucht. Satellitentelemetrie hat neue Daten geliefert, doch die Arbeit mit diesen Tieren ist aufgrund ihrer ausgedehnten Wanderungen und abgelegenen Lebensräume eine Herausforderung.

Die Erforschung seltener Wale ist mit enormen Schwierigkeiten verbunden. Viele Arten leben im offenen Ozean, weitab von der Küste. Ihre Beobachtung erfordert kostspielige Expeditionen, akustische Überwachung und Satellitentelemetrie. Wissenschaftler sind oft auf Daten angewiesen, die von freiwilligen Helfern gesammelt werden, die Walstrandungen melden. In Großbritannien hilft ein Netzwerk von Strandungskoordinatoren bei der Sammlung von DNA-Proben und Gesundheitsdaten.

Klimawandel und anthropogener Lärm stellen eine besondere Bedrohung für Tiefseewale dar. Steigende Temperaturen können die Verbreitung ihrer Beutetiere – Tintenfische und Tiefseefische – beeinflussen. Lärm von seismischen Untersuchungen, militärischen Sonaren und Schiffsverkehr kann bei Schnabelwalen die Dekompressionskrankheit auslösen, da diese bei Erschrecken zu schnell aufsteigen. Massenhafte Strandungen von Schnabelwalen wurden in Gebieten mit Militärübungen verzeichnet.

Jedes Jahr bringt neue Entdeckungen. Akustische Überwachung hat bisher unbeschriebene Walarten in tropischen Gewässern aufgedeckt. Genetische Analysen von Museumsexemplaren und Strandungen tragen zur Verfeinerung der Taxonomie bei. Der Wissenschaft unbekannte Arten könnten noch immer in den Tiefen des Ozeans leben. Die Erforschung dieser seltenen Geschöpfe ist nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch notwendig: Ohne Wissen können wir sie nicht schützen. Jede neue Begegnung mit einem Tiefseewal erinnert uns daran, dass der Ozean die letzte unerforschte Grenze unseres Planeten bleibt.

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