In einem Korallenriff wimmelt es auf jedem Quadratmeter von Leben. Um in dieser überfüllten Welt zu überleben, haben verschiedene Arten gelernt, nicht nur miteinander zu konkurrieren, sondern auch zusammenzuarbeiten. Symbiose ist eine der Haupttriebkräfte der Evolution von Unterwasserökosystemen. Hier putzen Fische ihre Fressfeinde, Krebse teilen sich Höhlen mit Fischen, und winzige Algen leben in Korallen und versorgen sie mit Sonnenenergie. Das Verständnis dieser Allianzen offenbart die erstaunliche Komplexität des Meereslebens.
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Die bekannteste Symbiose im Ozean besteht zwischen Clownfischen und Seeanemonen. Clownfische (Amphiprioninae) leben zwischen den Tentakeln nesselnder Seeanemonen, die für die meisten anderen Fische tödlich sind. Das Geheimnis liegt darin, dass die Clownfische nach und nach vom Schleim der Seeanemone bedeckt werden und so zu einem Teil von ihr werden. Die Seeanemone erhält Schutz vor Fressfeinden (Clownfische wehren Fische, die sich ihren Tentakeln nähern, aggressiv ab) und Futterreste. Im Gegenzug findet der Clownfisch einen sicheren Unterschlupf und kann sogar an der Basis der Anemone seine Eier ablegen. Interessanterweise können diese Paarbeziehungen zwischen Anemone und Clownfisch jahrzehntelang bestehen, und stirbt die Anemone, bringen die Clownfische ihr manchmal Futterreste, um ihren geschwächten Partner zu unterstützen.
Ebenso bemerkenswert ist die Partnerschaft zwischen Grundeln und Alpheus-Garnelen. Kleine Grundeln (der Gattungen Amblyeleotris oder Cryptocentrus) teilen sich eine Höhle mit fast blinden Garnelen, die unaufhörlich im Sand graben und so einen Unterschlupf schaffen und erhalten. Die Grundel fungiert als „Wächterin“: Sie steht am Eingang der Höhle und berührt die Garnele mit ihrem Schwanz. Sobald ein Fressfeind auftaucht, zuckt die Grundel mit ihrem Schwanz, und die Garnele verschwindet augenblicklich in der Tiefe, gefolgt von der Grundel. Die Garnele erhält ein zuverlässiges Frühwarnsystem, und die Grundel findet ein fertiges Zuhause und Schutz vor Fressfeinden.
Putzerfische (Labroides dimidiatus und andere Arten) sind ein einzigartiges Beispiel für eine Dienstleistungssymbiose. Diese kleinen Lippfische öffnen Unterwasser-„Putzstationen“, in die größere Fische – Zackenbarsche, Rochen, sogar Haie – schwimmen und erstarren, sodass die Putzerfische Parasiten, abgestorbene Hautschuppen und Schleim entfernen können. Der Putzerfisch erhält Nahrung, und der „Kunde“ profitiert von Gesundheit. Das System funktioniert so reibungslos, dass die Putzerfische eine leuchtend blaue und gelbe Färbung aufweisen, die als „Signal“ dient, und manche Fische stellen sich sogar an, um an die Reihe zu kommen. Studien haben gezeigt, dass das Fehlen von Putzerfischen zu einem drastischen Rückgang der Gesundheit von Rifffischen führt.
